Attraktionen zum Anfassen. Museumsleiterin Ingeborg Schmid gestattet einen Blick unter die Folie. (Foto: Knut Kuckel)
Attraktionen zum Anfassen. Museumsleiterin Ingeborg Schmid gestattet einen Blick unter die Folie. (Foto: Knut Kuckel)

Interaktiv und spannend – so wird das neue Holzknechtmuseum

Das deutschlandweit einzigartige Holzknechtmuseum in Ruhpolding öffnet nach erfolgreicher Modernisierung wieder Ende Juli/Anfang August. “Jede Station ist ein Erlebnis”, verspricht Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid.

“Die Atmosphäre wirkt richtig geheimnisvoll, Spannung pur – was erwartet mich um die Ecke?” – Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid gewährt mir erste Einblicke beim Rundgang durch die Baustelle der neuen Dauerausstellung im Holzknechtmuseum.

Museumsleiterin Dr. Ingeborg Schmid gewährt uns Einblicke beim Rundgang durch die neue Dauerausstellung im Holzknechtmuseum. (Foto: Knut Kuckel)

Der größte Umbau des Museums seit Eröffnung im Jahre 1988 ist so gut wie abgeschlossen. Modern, spannend und interaktiv wird sich das neue Holzknechtmuseum künftig präsentieren. Tischler platzieren noch die Zwischenwände dorthin, wo der Bergwald realitätsnah dargestellt wird.

Anstatt Bildschirme zeigen große Projektionsflächen an den Bergwänden das Leben der Holzknechte. Alle Sinne der Besucher werden angesprochen. In besonderer Weise beansprucht das Nase, Ohren und Augen. Das Lebensumfeld der alten und neuen Waldmenschen wird mit unterschiedlichster Technik begreifbar gemacht.

Tischler platzieren noch die Zwischenwände dorthin, wo der Bergwald realitätsnah dargestellt wird. (Foto: Knut Kuckel)

Damit die historische und zugleich auch die moderne Forstwirtschaft in der Region noch lebendiger und attraktiver erlebt werden kann, war die Neugestaltung des Holzknechtmuseums in der Ruhpoldinger Laubau offensichtlich ein Muss.

Die Reise führt auf einer Fläche von 350 Quadratmetern über den Ausstellungs-Parcours in einen nachempfundenen Bergwald. Mehr als 400 Jahre Berufsentwicklung der Holzknechte machen deutlich, welche Bedeutung die Holzwirtschaft schon immer hatte. 

Der Parcours führt durch den Bergwald und die Welt der Holzknechte. (Foto: Knut Kuckel)

Bis heute hat sich das im Chiemgau nicht geändert. Gefühlt ist jede zweite Familie direkt oder indirekt der Holz- und Forstwirtschaft verbunden. Ingeborg Schmid zum Ausstellungskonzept: “Die Welt der Holzknechte mit ihren besonderen Herausforderungen ist heute noch viel mehr als in den 1980er Jahren von den Erfahrungen vor allem der nicht von hier stammenden Museumsgäste entfernt. Unser Anliegen ist, dem in kreativer Weise gerecht zu werden.”

Die Schwerpunkte verlagern sich von der Technik auf sozialgeschichtliche Aspekte. Von Bedeutung sind in gleicher Weise die Identität der Waldarbeiter wie die Entwicklung der Holzwirtschaft. “Auf ihrem Streifzug durch unser Haus lassen wir alle Besucher hinter die Kulissen schauen und beantworten ihre wichtigsten Fragen”, sagt die Museumsleiterin.

Dr. Ingeborg Schmid zeigt Vorlagen künftiger Illustrationen. (Foto: Knut Kuckel)

Dr. Ingeborg Schmid zeigt Vorlagen künftiger Illustrationen und erläutert dabei, worum es geht. “Wie lebten die Holzknechte im Wald? Was passierte während ihrer Abwesenheit daheim? Welche Herausforderungen stellen sich heute?”

Der Ruhpoldinger Georg Sojer lieferte nach Vorschlägen des Ausstellungsteams und der unzähligen hinzugezogenen Beraterinnen und Berater großflächige Zeichnungen zu allen Themenbereichen. Dort, wo die Zeichnungen von Georg Sojer zu sehen sind, gibt es auch Hörstationen.

Anna Kecht stand Modell für die Frauen der Holzknechte, die daheim Haus, Hof und Kinder zu versorgen hatten. Zeichnung Georg Sojer. (Foto: Knut Kuckel)

Eine Zeichnung erinnert an die alte 50-Pfennig-Münze. Eine weitere an die Frauen der Holzknechte, die daheim Haus, Hof und Kinder zu versorgen hatten.

Alles ist neu auf beiden Etagen der Dauerausstellung. “Wir erzählen unsere Geschichten entlang mehrerer Video- und Audiostationen. Wo es möglich ist, unter Verwendung von Originalstimmen. Wenn eine Stimme aus der Vergangenheit spricht, übernehmen Schauspieler die Arbeit.” Ingeborg Schmid nennt Namen von vielen, die im Hörstudio des Holzknechtmuseums beteiligt waren. “Dass wir mit unseren Hörspielen die Geschichte in neuer Form aufrollen konnten, haben wir jenen Menschen zu verdanken, die uns ihre Stimmen geschenkt haben. Das waren unter anderem Simon Geierstanger, Manfred Hartl, Georg Jackl, Richard Kecht und Michael Schultes.” 

Man spürt die Freude der Museumsleiterin, wenn sie in diesem Zusammenhang “den gemeinschaftlichen Einsatz” hervorhebt. Originalton: “Wenn Tonaufnahmen gefertigt wurden, machte der Bauhoftrupp Pause.” Oder nutzte die Gelegenheit zum neuen Blick auf die Holzhütten gegenüber.

Blick durch das Fernglas auf die alten Hütten der Holzknechte. (Foto: Knut Kuckel)

Bis zu 180 Leute haben in der Planungsphase ihr Fachwissen und die unterschiedlichsten Erfahrungswerte beigesteuert. Darunter u.a. Mitglieder des Fördervereins und des Vinzenzivereins, Angestellte des Forstbetriebs, des Forstlichen Bildungszentrums und das komplette Museumsteam.

„Es war das traditionelle Essen der Holzknechte“, sagt Georg Bichler, der Vorstand des legendären Ruhpoldinger Holzknechtvereins. (Foto: Knut Kuckel)

Georg Bichler, langjähriger Vorsitzender im Holzknechtverein, erläutert die Schlittenbringung. “Im Winter wars der Schlitten, im Sommer die Seilbahn. Irgendwie haben die Leute immer das Holz aus dem Wald gebracht.” Museumsleiterin Ingeborg Schmid erzählt: “Der Georg Bichler debattierte beispielsweise auch die Fragen, ob bei der Arbeit Handschuhe getragen wurden oder wie viele Zähne eine Wiegensäge hat? Eine Dreiecksbezahnung etwa? Ja, und wie stehts mit der Tiroler Hobelzahnsäge?”

Kettenbringung. Erlebnispfade im Holzknechtmuseum Ruhpolding. (Foto: Knut Kuckel)

Die Wände, Tafeln und Landschaftsmodelle beschäftigen sich im Erdgeschoss mit Wald und Salz. Ein Meilenstein war 1619 die Gründung der Saline Traunstein. Ein Bild aus dem Museums-Archiv zeigt das Karl-Theodor-Sudhaus im Salinenbezirk um 1910.

Salinenezirk Traunstein mit Karl-Theodor-Sudhaus um 1910. (Foto: Holzknechtmuseum Ruhpolding)

“Ohne Holz kein Salz”, die Salinenwirtschaft war Motor der industriellen Entwicklung. “Um ihre Sudpfannen zu erhitzen, benötigten die Salinen unvorstellbar viel Holz. Zuletzt produzierte die Saline Traunstein bis zu 10-tausend Tonnen Salz jährlich. Damit markierten sie ab 1870 ihren Bedarf. Mehr als 600 Holzknechte und Forstmeister lebten davon.”

Im Obergeschoss des Ausstellungshauses gehts um Soziales. Beispielsweise auch darum, wie die Holzknechte eine Gewerkschaft gründeten. Gemeinschaft macht stark. Diese Erfahrung brachte die Holzknechte all die Jahre weiter.

Das Holzknechtmuseum Ruhpolding zeigt die Arbeit der Waldarbeiter. Damals, wie heute. (Foto: Knut Kuckel)

Für die Ausbildung sorgte in früheren Jahren die “Waldarbeiterschule”, heute ist dafür das Forstliche Bildungszentrum der Bayerischen Staatsforsten zuständig. Im Holzknechtmuseum geht es im wesentlichen um das Berufsbild der Forstleute heute und um die moderne Waldarbeit. 

Den Holztransport können Interessierte in der Ausstellung anhand eines eindrucksvollen (original) Bergkuli nachempfinden. (Foto: Knut Kuckel)

Den Holztransport können Interessierte in der Ausstellung anhand eines eindrucksvollen (original) Bergkuli nachempfinden. Der Bergkuli wurde unter Aufsicht der beiden Restauratorinnen aus Wien und in vielen freiwilligen Arbeitsstunden von vielen sachkundigen Helfern überholt. Das waren allen voran Georg Zenz und Markus Ruf.

Mit dem Sapi können Stämme kraftschonend bewegt werden und er wird so in die Ausstellungsarchitektur eingebunden, dass Besucher ihn aktiv aus dem „Berg“ herausziehen können.

Ein Highlight wird die Seilbahn sein, die sich quer durch den Ausstellungsraum zieht. (Foto: Knut Kuckel)

Ein Highlight wird die Seilbahn sein, die sich quer durch den Ausstellungsraum zieht. Besucher dürfen die Seilbahn selbst bedienen, um einen Baumstamm zu transportieren. Das setzt ein wenig Geschick voraus, steht somit auch für das Abenteuer Holzknechtmuseum.

Waren es früher Axt, Holzsägen und Schlittenbringung, ist heute das Symbol moderner Waldarbeit der Harvester. Wie das in der Praxis funktioniert, kann im neuen Holzknechtmuseum nachempfunden werden. Aktivstationen machen es möglich, bestimmten Themen auf den Grund zu gehen oder auszuprobieren.

Im sogenannten „Forum der Gegenwart“ werden die Funktionen Nutz- und Schutzwald, aber auch Erholungswald verhandelt.

Einmal im Jahr feiern die Holzknechte den Vinzenzi-Tag. (Foto: Knut Kuckel)

Der Zweckverbandsvorsitzende des Holzknechtmuseums, Bürgermeister Justus Pfeifer lobt die geleistete Arbeit. “Der Umbau der Ausstellung wäre ohne die vielen Unterstützer, den Vinzenziverein, den Förderverein und die zahlreichen Ruhpoldinger und Ruhpoldingerinnen nicht möglich gewesen. Das Museumsteam um Frau Dr. Ingeborg Schmid hat hier etwas Besonderes auf den Weg gebracht.”

An der konzeptionellen Gestaltung und Planung beteiligt waren die Kuratorin Dr. Henriette Holz (München) und die Erlanger Ausstellungsgestalter Impuls-Design.

Mit Hilfe einer Förderung aus dem LEADER-Programm der EU zur Entwicklung des ländlichen Raums von fast 421.000 Euro und einer zusätzlichen Direktförderung aus dem Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten von 250.000 Euro konnte die Dauerausstellung des Museums neu gestaltet und modernisiert werden.

Quellenhinweis: Neben eigener Recherche vor Ort konnte ich für meinen Beitrag auch auf Informationen von Manuela Plenk (Medienkommunikation Rathaus) im Ruhpoldinger Gemeindeanzeiger zurückgreifen. Dafür bedanke ich mich.

Weblink:Holzknechtmuseum Ruhpolding

Holzknechtverein feierte 400jähriges Jubiläum – “I werd a Holzknecht!”

Interaktiv und spannend – so wird das neue Holzknechtmuseum. (Fotos: Knut Kuckel)

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Von
Knut Kuckel

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